Gesehen hat
es jeder.
Gefragt hat
keiner.
Krankschreibung in Tagen
Quelle: WIdO und AOK, Fehlzeiten-Report 2026
Psychologie · Führung
Psychisch bedingte Krankschreibungen dauern im Schnitt fünfmal so lange wie Atemwegserkrankungen. Ein Leitfaden für das Gespräch davor.
Jens hat seit Juli dreimal gefehlt. Früher hat er freitags als Letzter die Halle gefegt. Inzwischen ist er gereizt und macht Fehler bei Aufträgen, die er sonst im Schlaf erledigt. Sein Meister sieht das jeden Tag. Angesprochen hat er Jens bisher nicht.
Was aus solchen Monaten werden kann, zeigt der Fehlzeiten-Report 2026 von WIdO und AOK. Die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen sind in zehn Jahren um knapp 42 Prozent gestiegen. Psychische Erkrankungen führen deutlich seltener zu einer Krankschreibung als Atemwegserkrankungen. Wer aber deswegen ausfällt, fehlt im Schnitt 28,5 Tage, bei Atemwegserkrankungen sind es 5,7. Fehltage mit der Zusatzdiagnose Burnout sind selten, im selben Zeitraum aber von 11,0 auf 19,5 Tage je 100 Mitglieder gestiegen.
In der Beschäftigtenbefragung zum Report berichten drei Viertel der Befragten, dass die Arbeit sie in den vergangenen vier Wochen erschöpft hat. Gut ein Viertel ist im letzten Jahr mindestens einmal krank zur Arbeit gegangen, entgegen ärztlichem Rat (WIdO-Pressemappe).
Führungskräfte müssten keine Therapeuten sein, sagte die Leipziger Sozialmedizinerin Steffi Riedel-Heller bei der Vorstellung des Reports. Sie sollten aber ansprechbar sein und wissen, wo geeignete Unterstützung zu finden ist.
Laut dem Handlungsleitfaden der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung für Führungskräfte gehört es zur Fürsorgepflicht, Veränderungen im Verhalten wahrzunehmen und betriebliche Hilfsangebote aufzuzeigen. Gemeint sind etwa Veränderungen bei Pünktlichkeit, Leistung oder im Umgang mit Kollegen. Diagnosen zu stellen, ist ausdrücklich nicht Aufgabe der Führungskraft.
Am Willen fehlt es Jens’ Meister nicht. Er findet nur keinen Satz, der nicht übergriffig klingt. Also sagt er nichts. Wird Jens dann für Wochen krankgeschrieben, hat vorher niemand mit ihm geredet.
Für diesen Moment haben wir „Früher hinsehen“ geschrieben, einen Gesprächsleitfaden für Führungskräfte. Er zeigt, welche Veränderungen man ansprechen darf, wie man ein erstes Gespräch eröffnet, ohne zu deuten, und wohin man verweisen kann. Ein Diagnoseinstrument ist er nicht. Fordere ihn unten an, dann schicken wir dir das PDF per Mail.
Auf den Punkt
Der Meister muss keine Krankheit erkennen. Er muss merken, dass Jens anders ist als im Frühjahr, und ihn in Ruhe darauf ansprechen.
„Früher hinsehen“ als PDF
Der Gesprächsleitfaden für Führungskräfte auf sieben Seiten. Kostenlos per Mail.
Häufige Fragen
Wie lange dauern psychisch bedingte Krankschreibungen?
Laut Fehlzeiten-Report 2026 von WIdO und AOK dauerte eine Krankschreibung wegen einer psychischen Erkrankung 2025 im Schnitt 28,5 Tage, eine wegen einer Atemwegserkrankung 5,7 Tage. Die Fehltage wegen psychischer Erkrankungen sind seit 2016 um knapp 42 Prozent gestiegen.
Was können Führungskräfte bei psychischer Belastung im Team tun?
Veränderungen im Verhalten wahrnehmen, sie in einem ruhigen Gespräch ohne Deutung ansprechen und Hilfsangebote aufzeigen. Diagnosen zu stellen, ist laut Handlungsleitfaden der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ausdrücklich nicht Aufgabe der Führungskraft.
Wohin können Führungskräfte verweisen?
An die Betriebsärztin oder den Betriebsarzt, an eine Mitarbeiterberatung, falls vorhanden, an die Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 erreichbar, bei akuter Gefahr hilft der Notruf 112.
Quellen
- AOK-Bundesverband und WIdO, Fehlzeiten-Report 2026, 08.10.2026
- WIdO, Pressemappe Fehlzeiten-Report 2026
- DGUV Information 206-030, Handlungsleitfaden für Führungskräfte
- TelefonSeelsorge
- Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116117
Ein Beitrag von employer flow, Agentur für Employer Branding und Social Recruiting im Mittelstand.
